Wie ichs angegangen bin

Aktualisiert: 8. Nov 2018

Konzeptionelle Schwerpunkte Schauspiel Cottbus 2017-2020


Grosses Haus


Die Produktionen im grossen Haus bleiben, so wie bisher, klassisch-dramatisch orientiert. Eine Ausnahme bilden die Stückentwicklungen mit dem Ensemble. Dabei wird nicht von einer dramatischen Vorlage ausgegangen. Themen, die uns besonders beschäftigen, werden dabei zeitnah, durch eine visualisierte Auseinandersetzung für den Zuschauer aufbereitet und sollen so zu einer Kommunikation anregen, die wir selbstkritisch und offen mit dem Publikum führen wollen. In diesen Arbeiten werden vor allem die kompositorischen, bildnerischen und choreographischen Aspekte der Theaterkunst in das Arbeitsfeld des Ensembles gerückt.


Natürlich werden durch Gastregisseure, die noch nie in Cottbus gearbeitet haben, dem Publikum auch weiterhin neue Denk - und Sichtweisen vorgestellt. Aber auch Kooperationsverträge mit anderen Theatern werden zu diesem Austausch von ästhetischen und inhaltlichen Konzepten beitragen. Eine zukünftige Arbeitsbeziehung mit dem Mülheimer Theater an der Ruhr unter seinem Leiter Roberto Ciulli wird ein erster Versuch sein, diese Bemühungen zu realisieren.

Gleichzeitig ist damit der Austausch von Produktionen möglich und die Umsetzung von Koproduktionen. Den Spielplan stell ich im Austausch mit den Regisseuren auf die Interessen des jeweiligen Künstlers. Es wird also vorerst keine themenorientierten Spielpläne geben, da ich selbst die Erfahrung gemacht habe, das es weder für das Publikum, noch für die Künstler sinnvoll erscheint, nach inhaltlichen Vorgaben zu arbeiten. Aus der Zeitgenossenschaft der Produzenten allein, ergeben sich übergreifende, uns alle interessierende Inhalte, oder werden durch die Theaterarbeit angeregt und ausgelöst.


Kammerbühne


Die Kammerbühne sollte fürderhin stärker für ein jüngeres Publikum geöffnet werden.

Das nachwachsende Publikum wird ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein. Wir können uns

schon längst nicht mehr darauf verlassen, dass das Interesse am Theater von ganz allein

durch die Generationen von Zuschauern hindurch weitergereicht wird.


Den Schulen kommt dabei eine ganz besondere Rolle zu, da sie in ihren Lehrplänen zwar die Stoffe bearbeiten, aber nicht genug Raum zur Selbstwahrnehmung bereitstellen. Unter wachsendem Zeitdruck werden vordefinierte Inhalts- und Interpretationstexte an die Schüler weitergereicht und so die Lust auf Diskussion und Hinterfragen im Keime erstickt.

Die Erfahrung, dass sie nicht vorgeschrieben bekommen, wie sie etwas zu sehen oder zu verstehen haben, muss erst gemacht werden, um Zutrauen in das Theater zu finden.

Sie wollen ernst genommen werden und möglichst jeder Form von Gängelei entgehen.

Einen Vermittlungsweg von Kunst für Schüler, der ihnen nichts vorschreibt zu finden, damit haben sich schon Generationen von Lehrern und Theaterleitern auseinandergesetzt. Manches Mal gelingt es und ein anderes Mal gelingt es weniger. Aber es gar nicht zu versuchen wäre sträflich.

Deshalb sollte es vor allem in der Kammerbühne ein stetig wachsendes Angebot für jüngere Menschen geben, die die Kammerbühne als kulturellen Anziehungspunkt verstehen und sich zu eigen machen können.


Eine monatliche Reihe, die vorwiegend einen performativen Charakter haben wird, sich also überraschend und in direkter Ansprache an das Publikum richtet, sollte aus Eigeninitiativen des Ensembles, oder anderen Mitarbeitern des Hauses, sowie aus der sprühenden Kreativkraft freier Künstler entstehen. Diese Reihe soll jeweils am letzten Freitag des Monats angeboten werden. Dazu können DJ’s oder Livebands eingeladen werden, die nach der Veranstaltung auflegen, oder spielen und so dazu beitragen, dass für die Besucher eine Art Clubatmosphäre geschaffen werden kann.

Der Eintritt sollte nicht mehr als 5/10 € kosten, damit möglichst vielen jungen Leuten ab 14 Jahren der Besuch leichter gemacht wird.


Theaterscheune


Ich werde auch nicht mit der Tradition der leichten Muse brechen. Dafür ist mit der Theaterscheune

ja scheinbar ein Ort geschaffen worden, der genug Publikum anzieht, um überzeugend klar zu machen, dass es mühsam wäre, darüber zu streiten, ob leichte Unterhaltung weiter gefördert werden sollte. Grundsätzlich gilt: aufbauend auf den Erfahrungen und Erfolgen meiner Vorgänger, werde ich meinen Teil dazu beitragen, dass dem Theater ein größerer Stellenwert in seiner gesellschaftlichen Rolle und Bedeutung zukommt, ohne die Ansprüche des Publikums aus den Augen zu verlieren.





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