Neutrinos zum Beispiel

Aktualisiert: 15. Sept. 2021

So. Hier sind wir nun am Anfang des ersten grossen Teils meines Vortrages angelangt und ich muss Ihnen sagen, dass es gar nicht mehr lange hin ist und dann auch der schon zu Ende geht.

Das geht heut Abend im Prinzip und Sie merken schon, ich suche selber noch, um unseren großen Entwurf von der alten Leier. Und Sie werden sich wundern, daß der bequem in mein zusammengefaltetes Modell passt.

Den Raum, wie auch die Zeit habe ich also zusammengedrückt auf Modellgröße und wenn ich nicht damit aufgehört hätte, wären sie jetzt so klein, daß wir quasi in ein schwarzes Loch geguckt hätten.

Ich bin da also auf ein Paradoxon gestossen, welches mir unmöglich macht, meiner Arbeit an der Modellkompresse noch weiter nachzugehen.

Das fängt ja schon mal damit an, dass ich gar nicht mit Ihnen rede, sondern genau mit denen, die heute Abend nicht gekommen sind. An die richtet sich das.


Es tut mir wirklich leid, das ICH das gerade war, der deren großes Desinteresse an meiner Forschung ausgelöst hat. Aber andererseits, wenn ich da nicht so intensiv nachgegraben hätte, hätte ich das gar nicht nachweisen können? Und dann gibt's ja noch die, die wollen das erst mal sehen, bevor ich das überhaupt gemacht hab. Also, so ein Universum, wie wir das hier vorliegen haben, ist dafür eigentlich gar nicht geeignet. Die glauben sogar, sie müssten das verstehen, bevor ich das überhaupt verstanden hab.


Es gibt ja so Künstler, die können wir nicht verstehen, das ist ausserhalb von unseren Möglichkeiten, selbst bei dem besten Willen. Und ich kann ein Lied davon singen. Ich werd Ihnen aber heute eine Methode aufzeigen, wie sie das Verstehen erlangen können.

Sie müssen sich das so vorstellen: Da kommt also so ein Verrückter daher und hat einen ganz grossen Entwurf in der Tasche, von dem er glaubt, wie die Zukunftsaussichten sind.

Innerhalb kürzester Zeit, laß es mal höchstens dreissig Jahre gewesen sein, stellt sich nun aber heraus, das der die ganze Zeit in einer Art Wutspirale gefangen war. Und nun schlüsselt sich das natürlich im Nachhinein auf. Und was wir immer schon ahnten, daß der nicht alle Tassen in Schrank hat, wird jetzt durch die Gremien bestätigt, so das wir quasi gar nicht mehr klatschen müssen am Ende, wo das doch sowieso keiner verstanden hat. Jetzt ist der aber entlassen worden aus der Spirale und will jetzt wieder integriert werden in die Landschaft.

So einfach ist das aber nicht, denn woher wollen wir wissen, das der nicht wieder rückfällig wird? Tja, wenn der nun aber winselt und es ganz ehrlich meint, müssen wir dem dann nicht auch einen kleinen Fernseher zur Verfügung stellen, wie all den anderen auch? Müssen wir dem nicht sogar ein bisschen Geld geben, damit auch der einkaufen gehen kann, wie all die anderen auch? Und ich sage, nein, das müssen wir nicht. Das Risiko ist viel zu groß, und am Ende wird er wieder frech. Das treibt ihn dann natürlich wieder zurück in die Wutspirale, wo soll er auch hin, mit dem kleinen Unterschied:

Der kann jetzt machen, was der will. Der gehört jetzt nicht mehr zu den Künstlern, die wir nicht verstehen können und das war ja der Punkt. Stellt sich die Frage, ob wir nun was unternehmen müssen.

Ich sage ihnen gleich mal vorab: Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, und hier hielt ich kurz inne in meinem Vortrag, um eine kleine Spannung zu erzeugen: nein, wir müssen da überhaupt nicht eingreifen, das ereignet sich alles von ganz allein. Und nun, wie ich darauf komme? Weil das mit dem kosmischen Gefüge zu tun hat, was uns die Arbeit abnehmen wird. Und das klingt doch alles ganz gut.

So. Ich dachte nun, damit Sie mir das auch glauben, ich telefoniere mal ein bisschen mit einigen Astronauten, dass die hier in der Show Ihnen das mal zeigen können, weil sie das ja mit eigenen Augen gesehen haben und ihnen mal ein paar Fotos mitbringen könnten,

aber das stellte sich dann doch als schwieriger herraus, als ich dachte und das hat mit der Quantenphysik zu tun, also mit den sogenannten ÜZ, denen zu Folge ein Teilchen, also jetzt mal egal was für ein Teilchen, zur selben Zeit an zwei oder mehreren Orten sein kann. Was Sie ja zum Beispiel nicht können. Und deshalb können die Kosmonauten gar keine aussagekräftige Aussage vornehmen, oder anders gesagt, die Fotos vom Unheil, was auf sie zukommt, hätten gar nicht entsprochen der Realität. Die Neutrino’s zum Beispiel und jetzt werden wir mal konkret, die wären überhaupt nur dort gewesen, wegen der Fotografen.


Das ist jetzt ziemlich abgefahren, ich weiß, aber deshalb wollte ich ja, dass Sie mal von den Fachleuten in Kenntnis gesetzt werden.


Machen sie mal die Augen zu und stellen sich vor:

Sie sitzen in einem stockfinsteren Raum.

In diesem Raum befindet sich aber noch etwas ausser Ihnen, sie können es aber nicht sehen. Wenn wir es erforschen wollen, müssen wir quasi das Licht anschalten. Wenn wir dies aber tun, reagiert es auf das Licht und verändert augenblicklich seinen Zustand. So hab ich das verstanden. Jetzt können wir es beobachten, fotografieren und interpretieren.


Was uns im Ergebnis vorliegt, sind Informationen über was Fremdes, genau in dem Zustand, indem es sich nie befinden würde, wenn wir nicht das Licht angeschaltet hätten, um es überhaupt nachweisen zu können.

Nun nehmen wir einmal an, es ist ein kleines grünes Teilchen, welches sich in ständiger Rotation befindet und dabei Photonen absondert.

Davon berichten wir der Presse und am nächsten Tag spricht alle Welt von diesen kleinen grünen Teilchen, die sich immerzu um sich selbst drehen. Ganz niedlich.


Beides aber, also die Farbe, sowie die Bewegung und sogar die Größe könnten Reaktionen auf das Licht oder auf uns sein. Die meiste Zeit, sagen wir mal Milliarden von Jahren, ist es blau und bewegt sich nämlich überhaupt nicht, sondern treibt lustlos und unbemerkt, fast glücklich durch das Universum.

Was ich damit sagen will ist: Sobald wir was "unter die Lupe nehmen", nehmen wir auch Einfluss darauf und wenn wir es festhalten wollen, für die Nachwelt zum Beispiel, überliefern wir selber ein vollkommen falsches Bild.

Das hat also Auswirkungen auf die Wirklichkeit, das können sie sich gar nicht vorstellen.

Damit wird ja im Prinzip unsere ganze Vergangenheit, also alles was wir davon glaubten zu wissen, hinfällig.

Aber wie sollen wir jetzt an der Zukunft schrauben, wenn die Vergangenheit gar nicht stimmt?


So, jetzt will ich aber aufhören. Im Prinzip hat sich das sowieso schon erledigt, ob Sie das nun wissen wollen, oder nicht.

Ich halte nicht einmal mehr für nötig, die schwarze, tote Katze durch den Raum laufen zu lassen. Ich werde sie nicht einmal erwähnen und schon daran können sie sehen, das sich die Dinge wie von selbst erfüllen, auch wenn wir das gar nicht wollen und so verhält es sich mit Ihrer Zukunft eben auch.

So, nun lassen Sie sich aber mal nicht beunruhigen, alle Dinge befinden sich ja in Veränderung, nur eben mein Modell nicht. Und jetzt fragen Sie sich mal, warum?

Denn grade, wenn es sich nicht verändern will, verändert es sich durch Ihren natürlichen Reflex der Interpretation nun doch und das nenn ich dann kunstgerecht. So. Also ran an die Arbeit und versuchen sie zu ändern, was geht. Ich will Sie nur am Ende noch darauf hinweisen, setzen Sie bitte Interpretation nicht mit Verständnis gleich - das hab ich nämlich befürchtet. Setzen Sie allerdings Verständnis womöglich mit tieferem Verständnis gleich - so hab ich das auch vorausbefürchtet und das Modell fängt das schon ab.

Sollten Sie aber und jetzt kommts, ein tieferes Verständnis mit Vergnügen gleichsetzen, so sind Sie mir bereits ein Stück voraus, denn nichts anders versuche ich ja zu erjagen, als ein Vergnügen, welches nicht mit sich selbst gleichgesetzt wird. Nehmen sie also das ungeliebte Unverständnis auf Ihren Schoß, wie ein selbstgeborenes Kind - denn nur aus dem wird mal was, aus allem anderen nicht. So. Ach so, hab ich ganz vergessen, die Augen, die können Sie jetzt wieder aufdrehen.