Digitalisierung und Theater #3

Ich glaube im Moment nicht daran, dass die analoge und die digitale Welt völlig miteinander verschmelzen können. Sie sind so entgegengesetzt wie die Quantenphysik und die Relativitätstheorie und doch existieren beide in einer Welt, obwohl sie so unterschiedlichen Gesetzen folgen.

Natürlich ist es ein vergnügliches Unterfangen nach dieser Verschmelzung zu suchen und damit auch nach der Vereinheitlichung unserer Wirklichkeit.

Ein noch schöneres Beispiel für binäre Gegensätze sind die Geschlechter. Sie können sich, obwohl so gegensätzlich, erkennen, beeinflussen und sogar harmonieren. Die Verschmelzung des Gegensätzlichen, als die von Stephen Hawking so sehnlichst und leidenschaftlich gesuchte Weltformel, die alles vereint und erklärbar macht, ist ein fortbestehender Traum.

In gewisser Hinsicht erliegen wir dieser Faszination von Verschmelzung des Gegensätzlichen auch, wenn wir unsere analoge Wirklichkeit mit einer digitalen Wirklichkeit durchwirken und die Auswirkungen der Rückkopplung wie immer noch gar nicht abschätzen können.


Abgesehen davon, das die Überlassung etlicher Lebensbereiche in die Digitalität einen Kontrollverlust und eine neue Abhängigkeit von Technologien mit sich bringen wird, werden auch unsere sozialen Verhaltensweisen beeinflusst. Wie das geschehen wird, ist eigentlich schon heute zu sehen, wenn durch einen Ausfall eines SocialMediaDienstes, die komplette Kommunikation der jüngeren Generation zum Erliegen kommt.


Es wird also in den nächsten Jahren nicht darum gehen, wie die Wilden alles was „digital“ ist zu ermöglichen, sondern vor dem Hintergrund des bereits Erlebten und den kritischen Befürchtungen diesbezüglich, ein vernünftiges und vor allem nicht entwicklungsbeschleunigtes Tempo anzustreben, welches viele Menschen erneut verständnislos und abgehängt hinterlässt.

Wenn wir Digitalität nicht dazu nutzen können, Widersprüche und Konflikte aufzulösen, die Kluft zwischen arm und reich aufzuheben und die gemäßigte Entwicklung im Lebenstempo derer zu vollziehen, die daraus einen Nutzen ziehen sollen, brauchen wir uns nicht weiter damit zu beschäftigen.


Was soll es uns bringen, dass es staatliche Förderprogramme dafür gibt, dass wir nicht mehr an die frische Luft hinaus gehen müssen, da wir alles Überlebensnotwendige von zu Hause aus digital erledigen können?


Statt dessen schlage ich vor, machtresistente Computerprogramme als Arbeitgeber einzusetzen, um den menschlichen Fehlentwicklungen auf Machtpositionen vorzubeugen.

Dadurch können Arbeiten, die auf dem Arbeitsmarkt gar nicht vorkommen, also auch nicht bezahlt werden, finanziell abgesichert werden. (Mütterarbeit, Lernarbeit, soziale Kommunikationsarbeit, utopisches Denken und Kreative Forschung)

Auf dem Arbeitsmarkt selbst, sollten Modelle erforscht werden, wie 3 Personen auf zwei Arbeitsstellen zurechtkommen. Und das nicht so sehr deshalb, um mehr Leute in Arbeit zu bringen, solange unser Selbstwert noch davon abhängt eine Arbeitsstelle zu besetzen, sonder vielmehr deshalb, weil alle zwei Jahre eine Arbeitskraft aus dem Betriebsfluss bezahlt für ein Jahr entlassen wird und so die Möglichkeit zur Gesunderhaltung, Weiterentwicklung und auch des Neuanfangs begünstigt wird. Aber auch das brauchen wir nur solange, wie Arbeit und Lohn noch nicht voneinander entkoppelt sind. Ich befürchte, dass wir auch noch dieses ganze Jahrhundert in dieser alten Fessel unser Leben fristen. Solange das so ist, benötigen wir aber trotzdem Modelle, die unsere Lebenskraft nicht nur verschleissen, sonder auch erneuern können.


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