Die Nietzsche-Provokation


(aus "Nietzsche" und "Terra In Cognita")


Ich bin erleichtert, dass Wagner tot ist.

Unsere Feindschaft wäre wohl sonst aufs Äusserste gewachsen.


Ich verstehe nicht, wie ein Mensch auf dem Höhepunkt seines Schaffens, all seine guten Vorsätze, ja, das Leben selbst und seinen Instinkt verrät und vor dem abscheulichen Christentum derartig zu Kreuze kriechen kann.


Man soll das Christentum nicht schmücken und herausputzen: es hat einen Todkrieg gegen den höheren Typus Mensch gemacht.


Das Christentum hat/ die Partei alles Schwachen, Niedrigen, Missratenen genommen.

Es ist ein schmerzliches, ein schauerliches Schauspiel, das mir aufgegangen ist.

Nichts ist ungesünder, als das christliche Mitleid.

Hier Arzt sein, hier unerbittlich sein, hier das Messer führen -

das gehört zu uns, das ist unsere Art Menschenliebe, damit sind wir Philosophen.


Haltet euch rein,/ ernährt euch gesund/ und erschlagt jeden Tag, der da kommt, einen Christen. Habt keine Angst, sie werden ja nicht weniger.


Denn wenn ihr nicht wagt, den Franziskus selbst zurückzuweisen,

der an eure Tür klopft um ein Stück Brot, dann habt ihr gar nichts gewagt -

ausser der Heuchelei, denn sie füttert den Parasiten.

Jetzt glaubt ihr noch, dass ihr mitleidig wart, aber das wart ihr aus Selbstsucht.


Unerträglich die Selbstvorwürfe, kaltherzig und roh zu sein.

Am unerträglichsten aber, die Gewissensbisse und ihr seid in euerm Recht, wenn ihr glaubt,

an seinem Unglück Schuld zu sein: durch euern Reichtum ist er arm.

Aber gerade weil ihr darin Recht habt, sollt ihr ihn zurückweisen, damit er auch da ein Leid erfährt, wo er es nicht erwartet.


Der Christ zählt sich zu den Rechtschaffenen. Er ist ausgezogen, sein Heil durch Leid zu mehren. Haltet Stand und schenkt ihm beides: Vermehrtes Heil, durch vermehrtes Leid!


Lasst euch seine Krankheiten nicht an der Tür aufschwatzen.

Ein solcher Mensch nämlich, häuft sich seine Krankheiten an, wie andere ihren Reichtum.

Doch ist er trotz, oder sogar wegen seiner Schwachheit schlau - so wie der Jude.


Er vermehrt sein Geld, auf eure Kosten, um sich aus der Unterwerfung freizukaufen,

so, wie er es seit Jahrtausenden gewohnt ist. Unterwerft die Juden, damit sich auch ihnen der höhere Sinn ihres instinktbehafteten Tuns erfüllt.

Auch wenn sie behaupten, dass dies gegen ihren Willen geschieht -

kümmert euch nicht darum, denn sie lügen. Sie können ja nicht anders.

Auch sie wollen nichts, als euer Mitleid.


Denn nur wer das Mitleid seiner Mitmenschen zu erregen weiß, der hat eine gute Aussicht auf deren Besitz. Doch vom Besitze der Anderen leben, ist aus Notwendigkeit gerade eine ganz parasitäre Eigenschaft.

Zieht also eure Horden zusammen gegen das Parasitentum in allen Sprachen.

Euer Mitleid ist eure grösste Schwäche. Sie wurde euch von den Christen als Tugend verkauft.


Man ist nicht ungestraft der tiefste Geist aller Jahrtausende -

man ist es auch nicht unbelohnt -

Ich gebe sofort eine Probe:


Die moralinverseuchte Herde ist schwach, sie sucht eine Führung, ein Ideal, weil ihre Instinkte verkümmert sind.

Wagner wird nicht der Letzte gewesen sein, der die Herde verführte.


Die Ideale der Aufklärung, die Toleranz Fremden gegenüber und der unglücklich tendierte Begriff der Gleichheit, werden uns hindern unsere Freiheit gegen radikalere Religionen und Kulturen zu verteidigen. Uns ist die Herstellung eines moralischen Paradoxons gelungen.

Politische Korrektheit wird die Demokratie, die zweifelsohne selbst ein unlösbares Problem darstellt, in den Untergang treiben, noch bevor sie den Menschen nutzte.

Nun, mir ist nicht an ihrem Überleben gelegen, so wenig wie an der unplausiblen Religion des Geldes, aber am Erhalt der Freiheit wär’ ich halbwegs interessiert.

Deshalb müsst ihr eure grösste Schwäche, die des Mitleids und der Toleranz vor allen anderen überwinden. Der Instinkt gebietet es euch, der Egoismus und der Selbsterhaltungstrieb. Straft das grösste Verbrechen in der gesamten Menschheitsgeschichte mit aufrechter Verachtung, damit wir eine andere Art Mensch züchten können, einen höheren Typus, einen zukunftsgewisseren.

Darin sollt ihr zur hohen Schule kommen, zur hohen Kunst, zur Diktatur der Kunst.




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