Akademie für Theater und Digitalität

Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund nimmt den Betrieb auf. Ich hoffe, ihr denkt in der Akademie darüber nach, wie man in Zukunft digitale Technik besser mit Inhalt und Denkräumen verbinden kann. Sie wird doch noch sehr häufig als Attraktion, wie im Zirkus, eingesetzt. Es sollte auch nicht der Eindruck erweckt werden, dass Komplexität von gesellschaftlichen Prozessen ausschließlich durch digitale Technik visualisiert werden könnte. Wenn das Denken nicht komplexer wird, das reflektierte Bewusstsein nicht spektraler, dann hilft uns auch die Technik nicht weiter, diesen Umstand zu übermalen.

Es fehlt leider auch oft zum Mut, ohne Kameras und Video auszukommen, wenn der Stoff es gar nicht hergibt, die Technik, oder moderne Medien als Erzähler einzusetzen.

Wenn man die Technik nur zur Illustration der Wirklichkeit einsetzt, um damit der Bühne ein vertrautes gegenwärtiges Gesicht zu verpassen, meist mit dem Irrglauben verknüpft, man würde schon allein deswegen modern erzählen, sind wir ja den Auffassungen des Erzählens aus den Anfängen des 20 Jh. noch gar nicht entkommen.

Die Fragen der Zeit, die Kay Voges in Bezug auf die Digitalisierung anspricht, müssen nicht notgedrungen durch den Einsatz von digitaler Technik gestellt oder gar beantwortet werden.

Wenn uns die Digitalisierung nicht entkoppeln kann von der Entmenschlichung, also zur Emanzipation des Menschen führt, ist sie sogar in ihrem Wert für uns vollkommen überschätzt.

Glaubt nun aber nicht, ich wäre ein Gegner der Technik, ganz im Gegenteil. Jedes Theater sollte sich zu einer Akademie zur Erforschung der Möglichkeiten des Theaters in der Zukunft entwickeln.

Leider sind die Produktionsbedingungen zu unterschiedlich und an eine landesweite Aufrüstung ist gar nicht zu denken, da der Kultur im Allgemeinen und der Theaterkunst im Speziellen von der Politik noch gar nicht die Bedeutung zugesprochen wird, die das Theater in der Zukunft für gesellschaftliche Diskurse haben könnte, solange sie weiter als kommerzielles Instrument der Unterhaltungsindustrie im Plastezeitalter verstanden wird und damit sein Potential weder klug eingesetzt, noch ausreichend entwickelt werden kann.

Die Blockchain-Technology ist ein schönes Beispiel, wie von technischen Entwicklungen gesellschaftlich profitiert werden kann und die Erforschung auf dem Theater macht schon deswegen Sinn, weil sie nicht nur das beeinflussen kann, was auf der Bühne stattfindet, sondern auch den ganzen Apparat der Kunstinstitutionen auf andere Füße stellen kann.

Mitten in der Welt der Demokratien finden wir mit den Theatern Inseln in der Gesellschaft vor, die reine Oligarchien darstellen. In denen auch Entscheidungsfindungen nicht etwa von der Belegschaft ausgehen, sondern von Intendanten. Will man ein Kompetenzmodell bewahren, aber gleichzeitig eine moderne demokratische Gesellschaft haben, muss man sich dahin entwickeln, das das eine dem Anspruch des Anderen gerecht werden kann.

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